Parallelwelt

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Vierzehn Tage lang von einem Viennale-Kino zum anderen, touren zwischen Gartenbau, Künstlerhaus, Metro, Urania und Stadtkino. Das reicht einmal, um nach dem Sommer wieder in Wien anzukommen. Und während ich so von einem Film in den nächsten kippe, rauscht draußen der Staatsbesuch des chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao über den Ring. Die Demonstrationen werden von der Polizei vorsorglich ferngehalten, damit er sich nicht grämt, denn “China kommt als Freund und möchte Europa in diesen schweren Zeiten beistehen”.

Da lohnt es sich doch, die Parallelwelten des Kinos zu erforschen. In Film Nist (Dies ist kein Film) von Jafar Panahi wartet schon auf mich, doch in einem anderen Kino. Geschafft, gerade noch. Und da fällt es mir auf – Halloween! Geistgesichtige, Rotgehörnte, wilde Gestalten feiern da draußen, während ich mitleide, wenn Jafar Panahi seinen Nicht-Film am Teppich nachstellt, Igi, den Leguan füttert und mit erstaunlichem Witz seinem Schicksal entgegentritt. Gerade eben ist das Urteil – sechs Jahre Haft und 20 Jahre Berufsverbot bestätigt worden.