Blick in die Sterne – in Wien 2

Seit Urzeiten sind Menschen von den Sternen fasziniert. Und so ist es wenig verwunderlich, dass auch in Wien schon seit mehreren hundert Jahren Astronomie an der Universität gelehrt wird. Um Astronomie wissenschaftlich betreiben zu können, muss man den Nachthimmel beobachten. Heute baut man dazu an den entlegensten und einsamsten Orten der Welt Observatorien, etwa in den chilenischen Anden, oder man schießt die Fernrohre gleich ins All. Früher aber konnten die Menschen keine so weiten Strecken zurücklegen, daher baute man Sternwarten durchaus auch in der Stadt. Wo einige dieser Sternwarten in Wien gestanden sind, erlebten die Teilnehmer der Surprisetour „Blick in die Sterne„.

1842 beobachtete ein Schriftsteller in der Seitenstettengasse, wie der hellste Stern am Himmel immer dunkler wurde und schließlich verschwand. Der Poet war Adalbert Stifter, und seine Schilderung ging in die Literaturgeschichte ein. Damals gab es weder die Universitätssternwarte noch die Kuffner-Sternwarte oder die Urania. Zu seiner Zeit wurde noch mitten in der Stadt beobachtet.

Erste UniversitätssternwarteAm Lugeck richtete um 1630 der aus Italien stammende Astronom Andreas Argoli im sechsstöckigen Turm des Federlhofes ein Observatorium ein – eines der ältesten in Wien. Der Astronom Giovanni Jacopo de Marinoni, ebenfalls ein Italiener, richtete ab 1728 in einem Privathaus auf der Mölkerbastei eine Sternwarte ein, in der er auch seine Studenten unterrichtete. Auf seine Anregung hin wurde 1733 auf dem Kollegiumsgebäude der Jesuiten in der Bäckerstraße 45 Meter hoher Turm mit Sternwarte gebaut.

1753 wurde schließlich auch die erste Universitätssternwarte in Betrieb genommen, die auf dem Dach der heutigen Akademie der Wissenschaften errichtet wurde. Dieser Beobachtungsstandort war jedoch auch zur damaligen Zeit recht ungünstig, sodass 1874 bis 1879 auf Drängen der Astronomen schließlich außerhalb der Stadt die neue Universitätssternwarte gebaut wurde, die inzwischen von der Stadt eingeholt wurde.

Ein Privatobservatorium in der Domgasse, von dem wir nur die Koordinaten kennen, wurde etwa um 1800 von einer Frau eingerichtet. Elisabeth Freiin von Matt (um 1762 bis 1814) war so begeistert von der Sternenbeobachtung, dass sie auch auf Reisen ihre Instrumente mitnahm. Als einzige Frau der österreichischen Monarchie publizierte sie ihre Messungen in astronomischen Fachmagazinen.

Neue Welt-Gasse; Foto: Erich RittenbacherWeiter führt die Surprisetour zu einer Sternwarte, die auch heute noch an ihrem Kuppelturm als solche erkennbar ist: dem Astrophotographisches Observatorium Rudolf König, das 1906 errichtet wurde. Rudolf König machte seine Beobachtungen in der Freizeit, war aber damit so erfolgreich, dass ein Mondkrater nach ihm benannt wurde.

Von der Vergangenheit führte ein Katzensprung in die ferne Zukunft – die Science-Fiction-Bibliothek Villa Fantastica, die extra für die Teilnehmer geöffnet wurde. Drei Mitglieder des Vereins zeigten uns die Schätze der Sammlung eines Genres, das lange als Schund betrachtet wurde und doch viele Wissenschaftler und Techniker inspirierte.

Die letzte Station der Surprisetour führte zur derzeit jüngsten astronomischen Einrichtung in Wien: dem Sterngarten auf dem Georgenberg, der seit 1997 besteht. Mehrere archaisch wirkende Säulen zeigen anschaulich den Sonnenpfad am Himmel im Laufe eines Jahres, das aktuelle Datum und die Uhrzeit. Nachts zeigt die Scheibe auf der Spitze eines Pfeilers den Himmelsnordpol und erleichtert so die Orientierung am Himmel.

Zum Ausklang kehrte ein Teil der Surprisetour-Truppe noch beim Heurigen ein. Vielleicht sieht man bald einmal den einen oder anderen Teilnehmer nachts im Sterngarten den Himmel beobachten!

Fotos: R.Wieser, Titelfoto vom Sterngarten Georgenberg: Nico Grienauer

[mapsmarker layer=“5″]