Die ersten 834 Minuten 0

Es ist Ende Mai und es ist wunderschönes Wetter.  Kaum ein Wölkchen scheint sich auf den Weg über Wien zu machen. Die Sonne setzt sich langsam gegen meine selbstmontierte Rollo durch und dringt ins Wohnzimmer herein. Die vereinzelten Lichtstrahlen haben eine irrsinnige Intensität und erhellen fast den gesamten mühevoll verdunkelten Raum. Die Temperatur steigt ins Unangenehme. Trotzdem lässt es mich kalt. Ich will den blauen, wolkenlosen Himmel nicht sehen. Ich will die Vögel nicht zwitschern hören, ich will den leichten abkühlenden Wind nicht spüren. Ich will mich konzentrieren, 834 Minuten lang. Ich will mich für fast 14 Stunden zusammen reissen. Das ist doch halb so schwer. Eigentlich sind es ja auch nur noch 13 Stunden – der erste Film ist schon dem Ende zu geneigt. Es gibt wesentlich Schlimmeres als bei einem schönen Sommertag tolle Filme zu sehen. Der diesjährige Vienna City Marathon Gewinner Henry Sugut würde in 834 Minuten sechs einhalb mal von Marathon nach Athen laufen und zurück . Ich beklage mich also nicht. Schönes Wetter haben wir doch des öfteren in Wien. Morgen wird es auch schön. Die Filme allerdings muss ich zurück geben. Ich stehe zeitlich unter Druck. Demnach gibt es auch keinen Grund ein trainiertes schlechtes Gewissen zu haben, da man bei Schönwetter zu Hause vor dem Fernseher sitzt. Der Filmstapel scheint zu wachsen, anstatt zu schrumpfen. Wenn ich also 834 Minuten mich nur der ausgewählten bösen Filmen Wiens widme, was mache ich dann mit den restlichen 606 Minuten des Tages? Das Ledersofa fängt schon an zu kleben. Ich hätte doch das Stoffsofa nehmen sollen.